
Es muss nicht unbedingt zum wiederholten Male bewiesen werden, dass das Internet mehr ist als die bunte Bildschirm-Welt des Fernsehens, es bedarf oft keiner multimedialen Überinszenierung. Doch muss man im Zeitalter der Aufmerksamkeit bisweilen illustre Veranstaltungsorte wählen, um die Popularität der virtuellen Welten zu erhöhen.
Dass hoher Informationsbedarf und lebhaftes Interesse an den Möglichkeiten des elektronischen Geschäftsverkehrs bestehen, zeigte der zum zweiten Mal von BIEG Hessen (Frankfurt), EC-M (Gießen) und hessischen IHKs veranstaltete Webweiser. Am 25. September diskutierten ca. 300 Vertreter mittelständischer Unternehmen in der eindrucksvollen Atmosphäre des Klosters Eberbach im Rheingau Chancen und Risiken des technologischen Umbruchs für ihre Unternehmen. 18 Workshops boten den ganzen Tag über ein breites Themen-Spektrum rund um den elektronischen Geschäftsverkehr und dessen Nutzung zum Vorteil kleiner und mittlerer Unternehmen.
Nach Begrüßung und Eröffnung ging es um den Einsatz innovativer Marketinginstrumente in kleinen und mittleren Unternehmen.
Es ist zehn Jahre her, dass das Internet zum ersten Mal im deutschen Sprachraum als Begriff wahrgenommen wurde. Vor zehn Jahren waren es Visionäre der neuen gesellschaftlichen und ökonomischen Werte, die das Netz vorantrieben. Gehört der elektronische Geschäftsverkehr inzwischen zum betriebswirtschaftlichen Alltag? - Was bleibt vom E-Business nach der Dot-Com-Krise?

"Was die technische Entwicklung betrifft, habe ich das Gefühl, wir stehen immer wieder am Anfang", fasste Herr Ploenzke seinen Eindruck zusammen. Ergänzend wies Dr. Gerd Eckelmann, Vorstand des gleichnamigen Wiesbadener Unternehmens und Präsident der IHK Wiesbaden darauf hin, dass zwar Internet und Web-Anwendungen heute in den meisten Unternehmen allgegenwärtig seien, andererseits jedoch eine mangelnde Verknüpfung von Prozessen zwischen den Unternehmen feststellbar bleibe. Dies habe auch mentale Gründe: "Der Mittelständler will verhandeln, er kauft nicht vollautomatisiert". Hingegen lasse sich beobachten, wie andere Aktivitäten (z.B. Messeauftritte) durch das Internet teilweise verdrängt würden. Andy Müller-Maguhn vom Chaos Computer Club wies auf die Problematik des Umgangs mit Daten hin, etwa wenn aus dem Internet gewonnene Adressdaten weiter eingesetzt würden. Die Offenheit des Webs führe mancherorts dazu, dass man mitunter zu den vertrauten Kommunikationsmitteln wie Telefon und Telefax zurückkehre.
Das gegenwärtige Verhältnis zwischen Unternehmen und Internet brachte Professor Matthias Willems von der FH Gießen-Friedberg sehr treffend zum Ausdruck. Nach der technologiegetriebenen ersten Übertreibung mit bisweilen wirtschaftlich unsinnigen Entwicklungen sehe man nun eher "die Herrschaft der Bedenkenträger".